Artikel · Grundlagen · 3 Min. Lesezeit

Vom Piloten zur Wirkung: Warum KI-Projekte an der Akzeptanz scheitern

Adam D. Wisniewski, Managing Partner
17. Oktober 2026 · Aktualisiert 19. Oktober 2026
Kurz gesagt

98 Prozent der Unternehmen setzen KI zumindest versuchsweise ein, aber nur 4 Prozent erzielen damit substanziellen Wert (BCG, 2024). Der Grund liegt selten in der Technik. Piloten bleiben stecken, weil die künftigen Nutzer zu spät eingebunden werden, weil Nutzung nicht gemessen wird und weil niemand die neue Arbeitsweise verankert. Skalierung ist zu rund 20 Prozent Technik und zu 80 Prozent Kultur.

Das Muster: viel Einsatz, wenig Wirkung

Gemäss einer BCG-Befragung von 1’000 Führungskräften in 59 Ländern setzen 98 Prozent der Unternehmen KI zumindest versuchsweise ein. Nur 4 Prozent erzielen damit substanziellen Wert, weitere 22 Prozent sehen erste Wirkung, 74 Prozent noch keine greifbare.

Unsere Erfahrung in Projekten deckt sich damit. Die Technik funktioniert meist. Was fehlt, ist der Schritt vom funktionierenden Prototyp zum Werkzeug, das Menschen im Alltag freiwillig nutzen.

Ein Werkzeug, das gebaut, aber nicht genutzt wird, ist eine verlorene Investition.

Warum Akzeptanz die Wirkung bestimmt

Im Playbook «Growth through AI» fassen wir es in einer einfachen Gleichung zusammen: Wert = Strategie × Umsetzung × Akzeptanz. Ist einer der Faktoren null, ist auch der Wert null. Ein technisch perfekter Pilot ohne Nutzer erzeugt keinen Franken Wirkung.

Hinzu kommt eine Spannung, die viele Führungsteams unterschätzen: Die Führung fürchtet, den Anschluss zu verpassen. Die Mitarbeitenden fürchten, ersetzt zu werden. Solange diese Lücke nicht offen angesprochen wird, bleibt jede Einführung zäh.

Drei typische Fallen

1. Nutzer kommen erst am Ende dazu. Ein Team baut eine Lösung für Techniker an Maschinen. Nach dem Start steigt die Nutzung in der ersten Woche stark an und fällt dann auf null. Der Grund: Die Techniker tragen Handschuhe und können auf dem Tablet nicht tippen. Eine Sprachbedienung hätte das Problem gelöst, wenn jemand die Nutzer früh gefragt hätte.

2. Nutzung wird nicht gemessen. Viele Piloten werden daran gemessen, ob sie technisch laufen. Ob sie genutzt werden und ob sich die Geschäftskennzahl bewegt, bleibt offen. So lässt sich nie sauber entscheiden, ob skaliert oder gestoppt werden soll.

3. Einführung wird angeordnet statt gewonnen. Erfahrene Fachleute vertrauen ihrem Urteil mehr als einer Maschine, und das oft zu Recht. Wer die Einführung anordnet, erntet Widerstand. Wer erfahrene Mitarbeitende als Mitgestalter gewinnt, schafft Vertrauen.

Was erfolgreiche Unternehmen anders machen

Die Betriebe im Global Lighthouse Network des World Economic Forum zeigen, wie es geht. Sie skalieren KI nicht als Technikprojekt, sondern kombinieren Technologie, Menschen und Umsetzungsdisziplin. Ihre Ergebnisse sind entsprechend: im Schnitt 40 Prozent mehr Arbeitsproduktivität und 48 Prozent kürzere Durchlaufzeiten.

Für KMU lassen sich daraus fünf Grundsätze ableiten:

  1. Nutzer ab dem ersten Tag einbinden. Interviews und Beobachtung am Arbeitsplatz gehören in die Konzeptphase, nicht in die Testphase.
  2. Akzeptanz vorab messbar machen. Neben der Geschäftskennzahl auch die Nutzung festlegen: tägliche Nutzer, Anteil des Ablaufs, der mit dem Werkzeug erledigt wird.
  3. Champions statt Anordnung. Einige überzeugte Mitarbeitende pro Bereich zeigen ihren Kolleginnen und Kollegen den Nutzen. Die Nachfrage entsteht im Team, nicht in der IT.
  4. Die richtige Geschichte erzählen. Nicht «Wir führen ein neues Werkzeug ein», sondern «Wir nehmen Ihnen die langweiligsten 20 Prozent Ihrer Arbeit ab».
  5. Einen klaren Entscheidungspunkt setzen. Vor der Skalierung braucht es Evidenz: Wirkung erreicht, Sicherheit geprüft, Plan für die Einführung vorhanden. Sonst wird angepasst oder gestoppt.

Ein einfacher Test für Ihr nächstes Vorhaben

Stellen Sie vor dem Start drei Fragen: Wer wird das Werkzeug täglich nutzen, und war diese Person an der Gestaltung beteiligt? Woran messen wir in acht Wochen, ob es genutzt wird? Wer entscheidet an welchem Termin über Skalierung oder Stopp? Wenn eine dieser Fragen offen ist, ist der Pilot noch nicht startbereit.

Häufige Fragen

Woran erkenne ich, dass ein Pilot im Fegefeuer steckt?

Er läuft seit Monaten, hat keinen festen Entscheidungstermin und wird an Aktivität statt an Wirkung gemessen. Oft weiss niemand, wie viele Mitarbeitende ihn wirklich täglich nutzen.

Welche Kennzahlen zeigen echte Akzeptanz?

Die Zahl der täglichen Nutzer im Verhältnis zur Zielgruppe, der Anteil eines Arbeitsablaufs, der tatsächlich mit dem Werkzeug erledigt wird, und die Veränderung der Geschäftskennzahl, für die der Pilot gestartet wurde.

Wann sollten wir einen Pilot stoppen?

Wenn er die vorab festgelegten Erfolgskriterien zum vereinbarten Termin nicht erreicht. Ein früher Stopp ist kein Scheitern, sondern spart Budget für bessere Vorhaben.

Auf dem Weg

Dieser Artikel gehört zu Schritt 3: Umsetzung, Test, Skalierung. Wie kommen wir vom Piloten zur Wirkung?

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