Sicherheit in Zeiten von KI: Was anders ist, und wie Sie sicher beginnen
KI-Risiken sind in der Schweiz erstmals auf Platz 2 der Unternehmensrisiken, gleich nach Cyberangriffen. Die meisten Vorfälle entstehen nicht durch raffinierte Angriffe auf Modelle, sondern durch fehlende Zuständigkeiten, Schatten-KI und zu weit gefasste Zugriffe. Fünf erste Schritte schaffen eine solide Basis: Verantwortung festlegen, Regeln verabschieden, Daten schützen, vertrauenswürdige Werkzeuge wählen, schulen und überwachen.
Wo wir heute stehen
KI ist in den Unternehmen angekommen, oft schneller als die Regeln dafür. Im Allianz Risk Barometer 2026 erscheinen KI-Risiken in der Schweiz erstmals im Ranking und gleich auf Platz 2, direkt nach Cyberangriffen. Die Zahlen aus der Praxis zeigen, warum:
- 86 Prozent der Unternehmen weltweit hatten im letzten Jahr einen sicherheitsrelevanten Vorfall mit KI-Bezug. Nur 4 Prozent gelten als wirklich gut vorbereitet (Cisco, 2025).
- 13 Prozent der von IBM untersuchten Unternehmen hatten einen Sicherheitsvorfall an eigenen KI-Modellen oder -Anwendungen. 97 Prozent davon fehlten grundlegende Zugriffskontrollen für KI.
- Jeder fünfte Datenvorfall ging auf Schatten-KI zurück, also auf Werkzeuge ohne Freigabe. Solche Vorfälle kosteten im Schnitt rund 670’000 US-Dollar mehr (IBM, 2025).
Privat möchte kaum jemand mehr auf KI verzichten, und am Arbeitsplatz auch nicht. Wo ein Werkzeug spürbar hilft, wird Vorsicht schnell vergessen.

Warum KI andere Sicherheitsmassnahmen braucht
Klassische Software folgt festen Regeln. KI verhält sich grundlegend anders:
| Klassische Software | KI |
|---|---|
| Folgt vordefinierten Regeln | Lernt aus Daten und entscheidet teilweise selbstständig |
| Verarbeitet strukturierte Daten | Verarbeitet Texte, Bilder und Dokumente aller Art |
| Liefert bei gleicher Eingabe dasselbe Ergebnis | Arbeitet mit Wahrscheinlichkeiten, Ergebnisse können variieren |
| Bleibt ohne Update unverändert | Verändert sich mit neuen Daten und Modellen |
| Versteht Kontext nur, wenn er programmiert ist | Versteht Sprache und Zusammenhänge, auch versteckte Anweisungen |
KI verhält sich wie ein kenntnisreicher, aber unerfahrener Mitarbeiter. Sie braucht klare Regeln, begrenzte Befugnisse und Aufsicht.
Wo die Schwachstellen liegen
Die meisten Lücken sind organisatorisch, nicht technisch.
In der Führung: Niemand ist klar für KI-Risiken verantwortlich. Tempo geht vor Kontrolle. Budgets und Nutzen sind unklar, rechtliche Unsicherheit und uneinheitliche Standards bremsen. Oft fehlt das Know-how, und die Abhängigkeit von Anbietern wird unterschätzt. Nicht selten überlässt die Geschäftsleitung das Thema den Mitarbeitenden oder schiebt es auf.
Bei den Mitarbeitenden: Schatten-KI, also private oder nicht freigegebene Werkzeuge mit Firmendaten. Wenig Wissen über KI-spezifische Risiken. Keine Richtlinie und keine Schulung, an der man sich orientieren könnte.
Die Risiken heute und in drei bis fünf Jahren
| Heute | In drei bis fünf Jahren |
|---|---|
| KI-gestütztes Phishing und Deepfake-Betrug | Koordinierte Angriffe durch autonome KI-Agenten |
| Prompt Injection: versteckte Anweisungen in Dokumenten, E-Mails oder Webseiten manipulieren Chatbots und Assistenten | Deepfake-Betrug in grossem Massstab |
| Datenabfluss über KI-Wissensdatenbanken | Angriffe auf physische Systeme mit KI (Roboter, IoT) |
| Zu weit berechtigte KI-Werkzeuge und -Agenten | Unüberwachte interne Modelle und Agenten |
| Gestohlene API-Schlüssel und kompromittierte Lieferketten | Manipulierte Open-Source-Modelle |
| Manipulierte Trainings- oder Wissensdaten | Verstösse gegen neue KI-Regulierung |
Wie real Deepfakes bereits sind, zeigt der Fall des Ingenieurunternehmens Arup: 2024 überwies ein Mitarbeiter in Hongkong rund 25 Millionen US-Dollar, nachdem er in einer Videokonferenz mit vermeintlichem Finanzchef und Kollegen sass. Alle Teilnehmenden waren mit KI erzeugt.
Auch die Fachwelt sieht die Schwerpunkte so: In den Top 10 der Sicherheitsrisiken für Sprachmodell-Anwendungen von OWASP stehen Prompt Injection und die Preisgabe sensibler Informationen auf den Plätzen 1 und 2, zu weit gehende Befugnisse von KI-Systemen auf Platz 6.
Nicht nur Daten schützen, auch die Ergebnisse
Viele Unternehmen sichern den Zugriff auf Daten, aber nicht, was die KI daraus macht. Dafür gibt es inzwischen erprobte Schutzschichten, sogenannte Guardrails:
- Inhaltsfilter, die schädliche oder unzulässige Antworten erkennen
- Erkennung von Prompt Injection und Manipulationsversuchen
- Prüfung der Quellenbindung, damit Antworten auf freigegebenen Dokumenten beruhen
- Regeln für den gesamten Ablauf, von der Eingabe über den Datenabruf bis zur Ausgabe
Die grossen Anbieter und Open-Source-Projekte stellen solche Bausteine bereit. Wichtig ist, sie bewusst einzuplanen, statt sie nachträglich anzuhängen.
Die Bausteine einer sicheren KI-Nutzung
| Bereich | Ziel | Wichtigste Massnahmen |
|---|---|---|
| Governance | Klare Verantwortung und Grenzen | Verantwortliche Person, KI-Richtlinie, Risikoregister |
| Sichere Architektur | Missbrauch und Abfluss verhindern | Minimale Berechtigungen, Trennung von Daten und Modellen |
| Datenschutz | Sensible Informationen schützen | Daten klassifizieren und verschlüsseln, vor der Eingabe bereinigen |
| Menschen und Kultur | Nutzer zur Verteidigungslinie machen | Schulung, klare Do’s und Don’ts, Alternativen zu Schatten-KI |
| Anbieter und Werkzeuge | Vertrauenswürdiges Umfeld | Anbieter prüfen, KI-Klauseln in Verträgen |
| Überwachung und Tests | Probleme früh erkennen | Nutzung protokollieren, regelmässig testen, Notfallabläufe |
| Zukunftsfähigkeit | Vorbereitet auf das, was kommt | Regulierung verfolgen, regelmässig prüfen |
Fünf erste Schritte
- Verantwortung festlegen. Eine Person ist für KI-Risiken verantwortlich, unterstützt von einem kleinen Team aus IT, Fachbereich und Datenschutz.
- Grundregeln verabschieden. Eine kurze KI-Richtlinie legt fest, welche Werkzeuge erlaubt sind und wofür.
- Daten schützen. Bestimmen Sie, welche Daten sensibel sind, und was nie in ein KI-Werkzeug gehört.
- Vertrauenswürdige Werkzeuge wählen. Unternehmensversionen mit klaren Vertragsbedingungen zur Datennutzung statt privater Konten.
- Schulen und überwachen. Mitarbeitende kennen die Risiken, die Nutzung wird protokolliert, Auffälligkeiten werden früh erkannt.
Und wenn Sie externe Fachleute für KI-Vorhaben beiziehen: Achten Sie darauf, dass sie Sicherheit von Anfang an ansprechen und Ihr bestehendes Sicherheitskonzept um die KI-spezifischen Punkte erweitern können. Sicherheit muss eingebaut sein, nicht aufgesetzt.
Quellen
- Allianz Risk Barometer 2026, Ergebnisse Schweiz (Allianz Suisse, Januar 2026)
- IBM / Ponemon: Cost of a Data Breach Report 2025
- Cisco: Cybersecurity Readiness Index 2025
- OWASP GenAI Security Project: Top 10 for LLM Applications 2025
- Fortune: Arup als Opfer eines Deepfake-Betrugs über 25 Mio. USD bestätigt, Mai 2024
- Adam D. Wisniewski: Security in times of AI, GOhack 2025, und AI: what is different and why security matters, Malt
Häufige Fragen
Reicht unsere bestehende IT-Sicherheit für KI nicht aus?
Sie ist die Grundlage, aber nicht genug. KI verarbeitet unstrukturierte Inhalte, reagiert auf Anweisungen in Texten und handelt teilweise selbstständig. Dadurch entstehen neue Angriffswege wie Prompt Injection und neue Risiken wie Datenabfluss über Wissensdatenbanken oder zu weit berechtigte KI-Agenten.
Sollten wir öffentliche KI-Werkzeuge verbieten?
Ein reines Verbot führt meist zu Schatten-KI. Besser ist es, sichere Unternehmensversionen bereitzustellen, klar zu regeln, welche Daten nie in KI-Werkzeuge gehören, und die Mitarbeitenden zu schulen.
Wer sollte im KMU für KI-Risiken verantwortlich sein?
Eine benannte Person, oft der CIO, der Sicherheitsverantwortliche oder ein Mitglied der Geschäftsleitung, unterstützt von einem kleinen Gremium aus IT, Fachbereich und Datenschutz. Entscheidend ist, dass die Verantwortung klar und bekannt ist.
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